Blog

E-Commerce- und CMS-Migration für BMW Classic

Die Migration eines 40’000-teiligen Motorradkatalogs für BMW Classic bedeutete vor allem eines: das Bewährte zu bewahren. Wir haben eine moderne, individuelle Storefront entwickelt und Payload CMS integriert – ohne das Altsystem in einem riskanten Schritt zu ersetzen. Das Ergebnis? Ein Ersatzteilshop für Kunden weltweit – auffindbar, schnell und ohne redaktionelle Abhängigkeiten.

Vor 2 Monaten
Von Sergei Gordeichuk
bmw-classic-cs-hero
Geschrieben von
Sergei Gordeichuk
27.03.2026

Einen 40’000-teiligen Motorradkatalog von einem Legacy-FileMaker-System auf eine moderne E-Commerce-Plattform zu migrieren, klingt erstmal machbar – bis man merkt, dass im alten System jahrzehntelange Geschäftslogik steckt, die unter keinen Umständen kaputtgehen darf.

Das war die zentrale Herausforderung in unserem Projekt mit BMW Classic: Wie modernisiert man, ohne einen hochspezialisierten, weltweit versendenden Betrieb aus dem Takt zu bringen? Hier erfährst du, was tatsächlich passiert ist – und was wir dabei gelernt haben.

Das eigentliche Problem war nicht die alte Technologie

BMW Classic betreibt einen der spezialisiertesten Online-Shops in der Motorradwelt – Originalteile für alles von Klassikern aus den 1920er Jahren bis hin zu aktuellen Modellen, mit globalem Versand. Die Plattform hatte jahrelang ihren Dienst getan, war aber an ihre Grenzen gestossen:

  • SEO war de facto inexistent. Die Website wurde kaum indexiert, was bedeutete, dass Kunden, die nach Nischen-Ersatzteilen suchten – oft sehr spezifische Suchanfragen – den Shop einfach nicht finden konnten.
  • Inhaltsaktualisierungen waren langsam und riskant.
  • Das System war nicht dafür ausgelegt, moderne Marketing-Workflows oder ein reibungsloses Einkaufserlebnis zu unterstützen.

Die versteckte Komplexität: Ein erheblicher Teil der Geschäftslogik steckte in FileMaker, einem veralteten Datenbanksystem, in dem sich jahrelanges Betriebswissen angesammelt hatte – Produktstrukturen, Kompatibilitätsregeln, Fulfillment-Logik. Das schaltet man nicht einfach ab.

Das Geschäft am Laufen halten und gleichzeitig neu aufbauen

Die wichtigste architektonische Entscheidung, die wir früh getroffen haben, war diese: FileMaker nicht mit einem Big Bang ersetzen. Sondern behutsam darum herum aufbauen.

Das bedeutete, einen dedizierten Sync-Layer zu entwerfen – eine strukturierte Integration, die FileMaker mit der neuen, massgeschneiderten Storefront verbindet, Produkt- und Katalogdaten synchron hält und den Shop vor den Risiken schützt, die mit alten Datenquellen einhergehen. Wenn FileMaker vorübergehend nicht verfügbar ist, läuft der Shop einfach weiter. Diese Stabilität ist nur dank der Abstraktionsebene zwischen beiden Systemen möglich.

Was uns das gelehrt hat: Die Vorbereitung und das Verständnis des bestehenden Systems sind wichtiger als die Technologie, auf die man migriert. Wir haben viel Zeit mit den Architekten des alten Shops verbracht, bevor wir auch nur eine einzige Zeile des neuen geschrieben haben. Diese Investition hat sich direkt in der Qualität der Integration ausgezahlt.

Zwei Systeme, zwei Aufgabenbereiche – warum Payload CMS die richtige Wahl war

Ein Shop wie BMW Classic braucht zwei grundlegend verschiedene Dinge, die parallel laufen: eine strukturierte Commerce-Ebene für Teiledaten, Preise, Kompatibilität und Lagerbestände – und eine flexible Content-Ebene für Landingpages, Kampagnen und redaktionelles Storytelling.

Beides in ein einziges System zu packen, führt auf beiden Seiten zu Kompromissen. Also haben wir sie bewusst getrennt.

Payload CMS wurde zum Content-Zentrum. Es gab dem BMW Classic-Team die Möglichkeit, Marketinginhalte zu veröffentlichen und zu aktualisieren, Kampagnenseiten zu erstellen und redaktionelles Material zu verwalten – ohne für jede Änderung einen Entwickler zu benötigen. Diese operative Unabhängigkeit ist entscheidend, besonders für ein Team, das einen Katalog dieser Grösse verwaltet.

Die individuelle Commerce-Ebene übernahm den Rest: Produktdaten, Checkout, Preisgestaltung und Bestellablauf. Über den Sync-Layer verbunden, gaben beide Systeme zusammen BMW Classic etwas, das sie zuvor nicht hatten – Geschwindigkeit ohne Risiko.

SEO als Produktanforderung, nicht als nachträglicher Einschub

Eine der klarsten Entscheidungen, die wir von Anfang an getroffen haben: SEO als Kernanforderung behandeln – nicht als eine Etappe, die erst nach der Entwicklung angegangen wird. Für einen Shop, der über 40’000 Ersatzteile verkauft, ist organische Auffindbarkeit kein «Nice-to-have». Sie entscheidet darüber, ob man die Long-Tail-Suchanfragen für sich gewinnen kann oder sie komplett verpasst.

In der Praxis hiess das:

  • Eine saubere, indexierbare URL- und Navigationsstruktur vom ersten Tag an
  • Schnelle Seitenladezeiten über Next.js und Digital-Ocean-Infrastruktur
  • Eine skalierbare Metadaten- und Inhaltsarchitektur, die mit dem Katalog wächst
  • Eine Navigation, die echtes Suchverhalten abbildet: von der Modellfamilie über die Kategorie bis zum gesuchten Teil.

Die vorherige Plattform hatte im Grunde keine SEO-Grundlage. Das strukturell zu beheben, anstatt nur zu flicken, war eine der wirtschaftlich relevantesten Massnahmen in diesem Projekt.

bmw-classic-cs-inline-02
Intuitive Navigation vom Modell zur Kategorie bis zum Ersatzteil.
BMW Classic mobile navigation
Handy-Navigation

Was wir genauso machen würden – und worauf wir genauer achten würden

Das Design und die technische Architektur haben sich gut bewährt. Eine Storefront rund um die echte Customer Journey aufzubauen – das richtige Modell finden, sicher durch die Kategorien navigieren, Teiledetails prüfen, reibungslos kaufen – ist der richtige Ansatz für einen Ersatzteilshop dieser Grösse.

Was wir beim nächsten Mal noch genauer im Blick behalten würden: eine noch gründlichere Dokumentation der FileMaker-Datenstrukturen, bevor die CMS-Migration beginnt. Altsysteme enthalten oft Sonderfälle, die erst unter realen Bedingungen auftauchen. Je gründlicher du das alte System im Voraus abbildest, desto weniger Überraschungen tauchen während der Sync-Tests auf.

Die andere wichtige Erkenntnis – und das gilt über BMW Classic hinaus – ist, dass ein Sync-Layer nicht bloss eine technische Notlösung ist. Er ist ein langfristiges architektonisches Merkmal. Zukünftige Migrationen, Erweiterungen oder der Austausch einzelner Komponenten erfordern keinen Neuaufbau der gesamten Plattform. Besonders wertvoll, wenn das Geschäft wächst und sich verändert.

Wo wir heute stehen

Der Shop ist live, läuft stabil und wird kontinuierlich weiterentwickelt. Wir arbeiten laufend an SEO-Verbesserungen, UX-Optimierungen und dem Ausbau der Content-Ebene. Ein Projekt wie dieses endet nicht mit dem Launch – es tritt in eine Wachstumsphase ein, und das Fundament muss solide genug sein, um das zu tragen.

Wenn es eine Erkenntnis gibt, die man aus diesem Projekt mitnehmen sollte: Der schwierigste Teil bei der Migration eines Altsystems ist nicht die neue Technologie. Es geht darum, das alte System gut genug zu respektieren und zu verstehen, um sicher darauf aufzubauen.

Arbeitest du mit einer inhaltsreichen Plattform oder überlegst du dir eine CMS-Migration? Unsere Payload CMS Services sind genau für solche Projekte gemacht – komplexe Daten, redaktionelle Unabhängigkeit und kein Big-Bang-Risiko.

Auch relevant: Erfahre, wie wir einen ERP-Shopify-Konnektor entwickelt und den E-Commerce-Shop für Rokker zusammengeführt haben.

Sergei Gordeichuk

Ähnliche Blogbeiträge